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Befürwortung für Zuwanderung und Vielfalt in Wien wächst

SymbolbildWie denken die Wienerinnen und Wiener über Zuwanderung und Zusammenleben? Welche Maßnahmen für ein besseres Zusammenleben sind aus ihrer Sicht sinnvoll? – Fragen wie diese beantwortet das Zuwanderungs-Monitoring der Stadt Wien, das seit 1989 in regelmäßigen Abständen im Auftrag der Stadt Wien von IFES durchgeführt wird. Zentrale Ergebnisse dieser Langzeitstudie wurden im Werkstattbericht 152 der Stadtentwicklung Wien (MA 18) veröffentlicht – mit dem Titel: „Zusammenleben in Wien. Einstellungen zu Zuwanderung und Integration“. Hier einige zentrale Ergebnisse:

Die Studie bestätigt viele internationale Befunde der Integrations- und Migrationsforschung und zeigt vor allem, dass die Einstellung der Wienerinnen und Wiener zum Thema Zuwanderung und Integration deutlich positiver ist, als man dies durch die oft stark polarisierende und skandalisierende Medienberichterstattung und durch politische Kommunikation vermuten würde.

Die Befürwortung von Migration und kultureller Vielfalt in der Bevölkerung ist – insbesondere seit 2005 – wachsend. Rund 86 % erkennen in der Zuwanderung einen positiven Impuls für die Stadt.  Die Problemwahrnehmung von Zuwanderung variiert deutlich zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen, was sich mit nationalen und internationalen Befunden deckt (vgl. ebd. 56).

  • Gruppen, die ihre eigene soziale Position als gefährdet wahrnehmen und eher negativ in die Zukunft sehen, stehen der Zuwanderung tendenziell negativ gegenüber.
  • 53% von jenen Personen, die eine Verschlechterung ihrer Lebenssituation befürchten, bewerten die Zuwanderung als ein sehr großes Problem. Bei WienerInnen mit positiven Zukunftsperspektiven (24%) sowie bei Menschen, die eine gleichbleibende Lebenssituation erwarten (32%), ist dies seltener der Fall.
  • Von Personen mit Universitäts- bzw. Hochschulabschluss wird Zuwanderung am positivsten bewertet, von jenen mit maximal über einen Pflichtschulabschluss als sehr problematisch (46 % sagen, Zuwanderung sei ein großes Problem). (ebd., 58).
  • Im Hinblick auf die Wohnformen sind im Gemeindebau die Ressentiments gegenüber Zuwanderung am höchsten (32 % sehen Zuwanderung als großes Problem). Dieser Befund ist wenig überraschend, da dort ganz besonders viele bildungsferne, einkommensschwache Menschen leben.

Auch das Alter und das Geschlecht spielen bei der Bewertung von Zuwanderung eine wesentliche Rolle. Frauen (38%) haben laut dieser Untersuchung eine signifikant höhere Problemwahrnehmung als Männer (29%). Problemeinschätzung der Zuwanderung erhöht sich mit steigendem Alter, was vielen bekannten Befunden entspricht.

Die niedrigste Problemwahrnehmung haben WählerInnen der GRÜNEN. Nur 12% dieser Gruppe sehen in der Zuwanderung ein sehr großes Problem. Die stärkste Problembeurteilung der Zuwanderung existiert bei den FPÖ-WählerInnen (42%), gefolgt von Personen, denen keine Partei zusagt (40%), WählerInnen des Teams Stronach (35%), der ÖVP (34%) und bereits mit einigem Abstand AnhängerInnen der SPÖ (20%).

Rund 86 % der WienerInnen (ohne Migrationshintergrund) befürworten gleiche Rechte und Chancen für schon lange in Wien lebende MigrantInnen. Persönliche Kontakte zu MigrantInnen fördern die Sympathie zu diesen und sind für rund 91 % der WienerInnen ein wichtiger Aspekt der Integration.

In der Studie wurde auch der Medienkonsum (Tageszeitung) abgefragt. Es wurde gezeigt, dass es Unterschiede in den Mediennutzungsgruppen hinsichtlich der Problemwahrnehmung von Zuwanderung gibt. Die Problemeinschätzungswerte im Jahr 2013 sind bei LeserInnen der Boulevardzeitungen „Kronen Zeitung“ und „Österreich“ mit jeweils 32% am höchsten. Dieser Befund unterstreicht, die Aussage meiner Dissertation, dass Medien die Einstellung der Menschen beim Thema Zuwanderung und Integration immens prägen. Jeder einzelne Journalist und jede einzelne Journalistin hat eine Verantwortung für das Zusammenleben in Österreich.

Zur Studie:

Die Grundgesamtheit: WienerInnen bzw. in Wien wohnhafte Personen ab 16 Jahren, die ausreichend gute Deutschkenntnisse zur Beantwortung des (in deutscher Sprache gehaltenen) Frageprogrammes aufwiesen.
Stichprobenziehung: Zufallsauswahl
Methode: CATI
Institut: IFES
AuftraggeberInnen: MA 18, MA 17
Auftragnehmer: Universität Wien, Institut für Soziologie
Seit 1989
Sachbearbeiter: Tobias Troger

Verwiebe, Roland / Haindorfer, Raimund / Seewann, Lena / Dlabaja, Cornelia / Lipp, Sina (2015): Zusammenleben in Wien. Einstellungen zu Zuwanderung und Integration. In: Stadt Wien, Magistratsabteilung 18 Stadtentwicklung und Stadt-planung (Hg.): Werkstattbericht 152.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Befürwortung für Zuwanderung und Vielfalt in Wien wächst

  1. Das ist der Grund, warum Gegenöffentlichkeit dermaßen wichtig ist. Vielen herzlichen Dank für diesen Beitrag und einen geruhsamen Sonntag noch. 🙂

    Verfasst von SalvaVenia | Dezember 6, 2015, 11:54 am

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Studie: "Zuwanderung  - Herausforderung für Österreichs Medien", Holzhausen Verlag

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