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Diskriminierung, Diversität, Freiheit, Inklusion, Integration, Politik, Studie, Wissenschaft

Fluides Selbst in fragilen Zeiten

Freiheit Der Wert Freiheit ist den Deutschen wichtiger geworden. Doch nach wie vor befindet sich Freiheit im Hintertreffen gegenüber konkurrierenden Werten wie Gleichheit, Gerechtigkeit oder Sicherheit. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Freiheitsindex“ des John Stuart Mill Institutes für Freiheitsforschung in Heidelberg (Prof. Dr. Ulrike Ackermann). In Kooperation mit dem Institut für Demoskopie Allensbach und dem Institut für Publizistik der Universität Mainz wurden zum fünften Mal eine Repräsentativbefragung der Bevölkerung (1.453 Personen) und eine quantitative Medieninhaltsanalyse überregionaler Printmedien (2.122 Artikel) durchgeführt.

Im Gegensatz zu Österreich scheinen sich wesentlich mehr Forschungsinstitute und Stiftungen öffentlich mit gesellschaftlichen Werten auseinander zu setzen. Österreich befindet sich – wie ganz Europa – mitten in einem postmodernen Wertewandel. Statt Besitz und Vermögen stehen heute Selbstverwirklichung und Kommunikation im Vordergrund. Wir erleben, dass sich Klasse und Schicht zugunsten von Milieus auflösen, eine rasante Erosion der Familienstrukturen und den Übergang von kollektiv geprägten zu individuell gewählten Lebensstilen. Und: Österreich wird kulturell bunter. Fragen der sozialen Inklusion von Fremden sind zentrale gesellschaftliche Themen.

In einem pluralistischen Umfeld – stark von Kommerz, Werbung und Medien geprägt – basteln wir ständig an unserer Identität, an unserem individuellen Ich. Das Ich muss sich rasch ändern, um mitzukommen und trendig zu sein. Ein instabiles, fluides Selbst in fragilen Zeiten. Existenzängste, Orientierungslosigkeit, Politikverdrossenheit und das Gefühl, „von denen da Oben“ benachteiligt zu werden, bilden einen explosiven gesellschaftlichen Cocktail.

Vor dem Hintergrund der Banken-, Wirtschafts- und Eurokrise, steigender Arbeitslosigkeit, starker Immigration und weltweiter Konflikte erscheint es umso wichtiger, einen wissenschaftlichen Diskurs über unsere Zeit, unsere Werte und über unseren Lebensstil zu führen. Was ist uns wichtig? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Wie wollen wir leben? Was heißt für uns Friede, Sicherheit, Gerechtigkeit? Wenn die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Eliten in Europa diese entscheidenden Diskurse des Lebens ignorieren, dann sind die Folgen nicht abzusehen. Es ist heute die Zeit der Populisten, der Hetzer. Was wir aus der Geschichte wissen müssten: Freiheit ist etwas Fragiles, ebenso die Demokratie. Freiheit zu erhalten, heißt daran zu arbeiten. Fortwährend.

Ackermann, Ulrike (Hrsg.) (2015): Freiheitsindex Deutschland 2015 des John Stuart Mill Instituts für Freiheitsforschung. Schwerpunkt Westliche Werte. Frankfurt: Verlag Humanities Online.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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