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Vielfalt als Chance für Österreichs Medien

Zeitungen, c) Karin Zauner Österreichs Medienbetriebe müssen sich mit gesellschaftlicher Vielfalt professionell auseinandersetzen, um nachhaltig erfolgreich zu sein.

Die Einwanderung nach Europa und nach Österreich ist eine unveränderbare Realität unserer Zeit – verursacht durch die Globalisierung, die wachsende soziale Ungleichheit und Kriege. Österreich ist heute ein multikulturelles, reiches, gut verwaltetes Land, das Zuwanderung zur Sicherung des Wohlstandes braucht. Die Bevölkerung wächst nur aufgrund von Immigration und aufgrund der Kinder von Zuwanderern. Rund 20 Prozent der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund, das heißt, dass beide Eltern im Ausland geboren wurden. In Wien sind es 40 Prozent. Diese Entwicklung bedeutet für Medienunternehmen, dass sich ihr Publikum ändert. Und das rasant.

Menschen mit Migrationsbezug sind die Kundinnen und Kunden der Zukunft! Österreichs Medienbetriebe werden sich daher zunehmend mit den Bedürfnissen und Interessen dieser Gruppe befassen müssen. Nicht nur aus ökonomischen, sondern vor allem auch aus gesellschaftlichen Gründen. Medien prägen das soziale Klima in einem Land und schaffen damit die Rahmenbedingungen für das friedliche Zusammenleben, für die Akzeptanz oder die Ablehnung von Zuwanderung. Sie können polarisieren oder differenziert berichten, das Gemeinsame suchen oder das Trennende hervorheben.

Studien zeigen, dass Österreichs Medien ihrer Verantwortung im Umgang mit Zuwanderern nicht gerecht werden. ImmigrantInnen würden demnach meist in Zusammenhang mit Kriminalität, Konflikten, Problemen in Schulen, in Kindergärten, als Belastung des Gesundheits- und Sozialsystems, mit Bildungs- und Sprachdefiziten etc. dargestellt. Sie kämen als Betroffene oft gar nicht zu Wort und würden meist als Objekte der Berichterstattung behandelt. Vor allem Boulevardmedien verwenden immer wieder Angst-Metaphern, wie Ausländerwelle, -flut, -schwemme oder Sozialschmarotzer.

Mit Ausgrenzungsdiskursen, polarisierenden, hetzerischen Aussagen rechter PolitikerInnen steigern Medien derzeit ihre Verkaufszahlen, nach dem Motto: „Bad news are good news“. Sie forcieren damit die – im europäischen Vergleich – ohnhin schon extrem hohe Ablehnung von Fremden in Österreich. Diese Quotenjagd auf Kosten der Zuwanderer ist vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung mit Sicherheit kein nachhaltiges Geschäftsmodell.

Es braucht einen Paradigmen-Wechsel in den österreichischen Redaktionen in Richtung eines professionellen Umgangs mit Vielfalt. Die Auseinandersetzung mit Diversität muss zu einem Bestandteil der Unternehmenskultur in den heimischen Medienhäusern werden! Und damit in das Denken der JournalistInnen, in das Personalrecruiting, die Weiterbildung und das Marketing einfließen. Als Vorbilder könnten große Medienbetriebe der traditionellen Einwanderungsländer dienen, zum Beispiel The Guardian in Großbritannien oder die New York Times oder die Washington Post in den USA, die ihre Geschäftstätigkeit auf ein multiethnisches Publikum ausgerichtet haben.

Wie Fremde in den Medien dargestellt werden, wird immer in der Verantwortung des einzelnen Journalisten und der einzelnen Journalistin bleiben. Diese Verantwortung kann ihnen niemand abnehmen! Für diversitätsorientierten Journalismus braucht es Offenheit für Neues, für die Sichtweisen anderer Kulturen, die Selbstreflexion eigener Vorurteile, den Mut Etabliertes, zu hinterfragen und vor allem große, sprachliche Sensibilität.

Zuwanderung fordert und bereichert den heimischen Journalismus zugleich. Österreichs Medien müssen sich über kurz oder lang auf die gesellschaftliche Vielfalt einstellen. Durch das gezielte Einbinden unterschiedlicher ethnischer Gruppen und „fremder“ Perspektiven in die Berichterstattung können sie einen Beitrag für die Akzeptanz von Zuwanderung und Vielfalt, für ein Klima der Inklusion und des sozialen Friedens in Österreich leisten. Es ist eine Frage ihrer Haltung.. Oder anders gesagt: Sie müssen es wollen.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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Studie: "Zuwanderung  - Herausforderung für Österreichs Medien", Holzhausen Verlag

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