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Die Erneuerung des Islam in Europa fördern

KonferenzfotoWie sieht die Lebenswirklichkeit von Musliminnen und Muslime in den modernen, pluralistischen Demokratien in Europa aus? Wie kann der Staat Österreich dazu beitragen, dass MuslimInnen in demokratischen Gesellschaften ihren Glauben leben können und noch mehr ein Teil der europäischen Gesellschaften werden? – Das waren zwei zentrale Fragen der Konferenz „Islam europäischer Prägung. Musliminnen und Muslime in der Mitte der Gesellschaft“, die am 15.Juni in der Diplomatischen Akademie in Wien stattgefunden hat.

Mit dabei waren Sebastian Kurz, Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres und Dr. Fuat Sanaç, Präsident Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, sowie zahlreiche Islam-ExpertInnen aus dem deutschsprachigen Raum: Dr. Mouhanad Khorchide (Universität Erlangen),  Erdal Toprakyaran (Universität Tübingen), Dr. Handan Aksünger (Universität Hamburg), PD Dr. Hansjörg Schmid (Universität Fribourg, Schweiz) u.v.m.

In Österreich hätten MuslimInnen die Freiheit, sich aktuellen Fragen ihrer Religion zu stellen, wie zum Beispiel: Welchen Islam wollen wir in dieser Gesellschaft vertreten? Sie hätten die Möglichkeit, die Religion weiterzuentwickeln, waren sich die TeilnehmerInnen rasch einig. Die Musliminnen und Muslime in Österreich und Deutschland genießten die Freiheit des Denkens, die in vielen islamischen Ländern nicht vorhanden sei, ja zum Teil verboten sei oder verhindert werde. Die großen Probleme des Islams in Europa seien die politischen Ansprüche aus dem Ausland, Strömungen, die einen europäischen Islam nicht wollten und die MuslimInnen in Europa als „Religionskolonien“ begreiften.

Nach mehr als 100 Jahren ist 2015 in Österreich ein neues Islamgesetz verabschiedet worden. Dadurch erhalten Muslime mehr Rechtssicherheit, aber auch Pflichten. Es enthält eine ausdrückliche Festlegung des Vorrangs des österreichischen Rechts vor den islamischen Glaubensvorschriften. Es sei ein erster wichtiger Schritt in Richtung Befreiung von Einflüssen aus dem Ausland (Verbot von Auslandsfinanzierung) zum Schutz der Freiheit des Denkens von MuslimInnen in Österreich, betonte Bundesminister Sebastian Kurz.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen rund um den IS (Ismalischen Staat) wurde bei der Konferenz auch über Fanatismus und Islam diskutiert. Ein qualitätsvoller Religionsunterricht und gut ausgebildete Imame, die die Friedfertigkeit des Islams kommunizierten, würden die jungen Menschen in der Religion festigen und machten sie weniger anfällig für Extremismus. Die Themen Islam und Gewalt müssten innerhalb der Religionsgemeinschaft ausdiskutiert werden, sagte Ednan Aslan von der Universität Wien.

Einig waren sich die TeilnehmerInnen in der Feststellung, dass MuslimInnen heute in Europa ständig unter Beobachtung stünden. Vor dem Hintergrund von fanatischen Bewegungen und Gruppierungen im Ausland fehle es heute ganz besonders an Anerkennung, Akzeptanz und Toleranz gegenüber MuslimInnen. Das aktuelle gesellschaftliche Klima führe dazu, dass MuslimInnen vor allem auf ihre Religion reduziert und dadurch kaum als „ganz normale Menschen“ wahrgenommen werden. Doch die Religion mache in der Realität nur einen (oft sehr kleinen) Teil ihrer Lebenswirklichkeit aus, erklärte Carla Amina Baghajati von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

Wie kann nun die Republik Österreich die Musliminnen und Muslime in Europa dabei unterstützen, besser in der Mitte der Gesellschaft anzukommen?

Das Fazit: Die Republik Österreich sollte Rahmenbedingungen schaffen, die den inner-islamischen Diskurs ermöglichen und fördern. Dadurch könnte von Österreich aus ein wertvoller Beitrag für die Erneuerung des Islams in Europa geleistet werden. Der inner-islamische Diskurs würde den MuslimInnen dabei helfen, ihre Religion in demokratischen, pluralistischen Kontexten weiterzuentwickeln – im Sinne eines friedlicherem und respektvollerem Miteinander zwischen den Religionen und Kulturen in Europa.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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