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Öffentlichkeit, Diskriminierung, Inklusion, Integration, Partizipation, Politik, Studie, Wissenschaft

Was bedeutet für uns Freiheit?

c) Karin ZaunerWie definieren Sie die persönliche Freiheit? Ist Ihnen Selbstbestimmung wichtiger als soziale Gleichheit oder Sicherheitsbedürfnis? Was erwarten Sie vom Staat? Soll er sich heraushalten aus ihrem Alltagsleben oder sich stärker kümmern einmischen? Fragen, wie diese, werden den deutschen Bürgerinnen und Bürgern in der Langzeitstudie „Freiheitsindex“ jährlich gestellt.

Die Antworten werden seit 2011 vom John Stuart Mill Institut für Freiheitsforschung in Heidelberg zu eben diesem „Freiheitsindex“ zusammengestellt. Im Vorjahr wurde das Freiheitsverständnis im Internetzeitalter erforscht, das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit. Wie reagiert die Bevölkerung auf Eingriffe des Staates bzw. der IT-Unternehmen in das Internet? Wem vertrauen die BürgerInnen mehr: Staat oder Konzernen? Wie wichtig ist den BürgerInnen ihre Privatsphäre? Welche Folgen hat das für das eigene Nutzungsverhalten?

Die Studie zeigt: Die Angst vor der Überwachung durch ausländische Geheimdienste steht an erster Stelle. Dennoch vertrauen die BürgerInnen dem eigenen Staat mehr als den IT-Unternehmen, wobei ein deutlicher Generationen-Gap besteht: Die jungen, Internet-affinen Bürger haben größeres Vertrauen in Unternehmen, während die ältere Generation stärker dem Staat vertraut.

Es gibt offensichtlich keinen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Freiheitsbewusstsein der BürgerInnen und ihrem Verhältnis zum Internet. Das heißt, der Freiheitsdiskurs ist im Bewusstsein der Bevölkerung vom Thema Internet entkoppelt, obwohl sie eine gewisse Beunruhigung und Orientierungslosigkeit gegenüber dem Internet empfinden. Einerseits wünschen sie sich strengen Datenschutz, zugleich gehen sehr viele äußerst leichtfertig mit den eigenen Daten um. Nach dem Motto: „Es ist irgendwie gefährlich, aber auch unvermeidlich. Es wird schon irgendwie gut gehen.“

Dass in den Köpfen der Menschen der Freiheitsbegriff von den „Vorgängen“ im Internet (Überwachung, Hacking, Datenmissbrauch etc.) abgekoppelt ist, erscheint mir besorgniserregend. Ja, selbstverständlich beschneidet eine lückenlose, digitale Überwachung (Telefonate, Kontobewegungen etc.) durch Geheimdienste und Konzerne unsere Freiheit. Selbstverständlich ist das Sammeln, Speichern und auch das Verkaufen unserer E-Mail, Infos in Profilen etc. ohne unser Wissen schlichtweg ein niederträchtiger Missbrauch. Das alles geschieht nicht irgendwo, sondern hier, heute und jetzt.

Schon längst befinden wir uns alle in ein einer weltumspannenden Schlacht um Daten und die Vorherrschaft im Internet. Es geht um das Manipulieren von Steuerungssystemen, von Infrastruktureinrichtungen (Wasser-, Strombetrieben, Krankenhäusern, etc.). Warum ein Kraftwerk bombardieren, wenn es sich auch digital zerstören oder abschalten lässt? Warum Panzer und nicht Hacker und IT-SpezialistInnen? Wir befinden uns längst in einem Kalten Krieg, der keine Frontverläufe kennt und keinen Eisernen Vorhang.

Es ist später als „fünf vor zwölf“, es ist Wachsamkeit geboten, in diesem digitalen Kampf, an dem jede und jeder teilnimmt, gewollt oder ungewollt. Es geht um nicht wenig. Um eine friedliche Zukunft, um unsere Infrastruktur, unseren Rechtsstaat, um unsere Privatsphäre und Meinungsfreiheit; also um so gut wie alles.

Eine intensive Auseinandersetzung mit Freiheit und Sicherheit wäre auch in Österreich ein Gebot der Stunde. Was bedeutet für die ÖsterreicherInnen „Freiheit“? Wie entwickelt sich unser Freiheitsbegriff über die Jahre hinweg? Die deutsche Studie „Freiheitsindex“ könnte als ein methodisches Vorbild für Österreich dienen.

Literatur: Ackermann, Ulrike (Hg.) (2015): Freiheitsindex Deutschland 2014 des John Stuart Mill Instituts für Freiheitsforschung. Schwerpunkt Digitale Revolution. Frankfurt am Main: Humanities. ISBN 978-3-941743-45-8. Online: http://www.mill-institut.de/praesenz/publikationen/freiheitsindex-2014/

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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