//
Artikel
Diversität, Forschung, Inklusion, Integration, Medien, Medieninhalte, Partizipation, Politik, Studie, Wissenschaft

Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor als wichtige Entscheidungsgrundlage

Er dient zur Versachlichung von populistischen „Integrations-Diskussionen“ und ist die Grundlage für politische Entscheidungen: der Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor. Seit 2008 zeigt diese umfangreiche Studie anhand von wissenschaftlichen Indikatoren, wo Wien bei der Inklusion von zugewanderten Menschen steht und welche Herausforderungen die Stadt bewältigen muss.

Wien ist geprägt von sehr starker internationaler Zuwanderung. Österreichische StaatsbürgerInnen ziehen in der Bilanz aus Wien weg, Menschen aus dem Ausland ziehen zu. Wien entwickelt sich somit rasant in eine internationale Gesellschaft. Jeder zweite Wiener, jede zweite Wienerin hat heute einen sogenannten Migrationshintergrund (das bedeutet: er oder sie ist selbst im Ausland geboren oder mind. ein Elternteil), 23 % der WienerInnen besitzen einen fremden Pass und 31% haben ihren Geburtsort im Ausland. Welche Entwicklungen zeigt der 3. Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor?

Zuwanderer bringen sehr viel Bildung mit
Rund 32% der Zugewanderten aus Drittstaaten seit 2006 nach Wien haben einen Studienabschluss aus dem Ausland mitgebracht; bei jenen, die seit 2006 aus EU27/EFTA -Staaten zugezogen sind, waren es rund 34%. Der Akademikeranteil der   österreichischen Bevölkerung beträgt rund 13 %. Zwischen der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund in Wien gibt es so gut wie keinen Unterschied beim Anteil mit höherer Bildung. Über 50 % der seit Mitte der 1990er Jahre Zugewanderten haben einen Maturaabschluss aus dem Ausland mitgebracht.

Bildungsabwertung als großes Problem
Eine der größten Herausforderungen ist in Wien die De-Qualifikation von zugewanderten Menschen. Die Abschlüsse aus dem Ausland, vor allem aus Drittstaaten, scheinen in Österreich weniger „wert“ zu sein als österreichische Bildungsabschlüsse. Sie führen häufig zu einer Entlohnung, die unter der von Menschen mit österreichischen Bildungsabschlüssen liegt. Derzeit arbeiten 34 % der Beschäftigten mit höherer Bildung und Abschlüssen aus Drittstaaten in Hilfs- und Anlerntätigkeiten. Am stärksten sind Frauen betroffen.

24% der wahlfähigen WienerInnen dürfen nicht wählen
Demokratiepolitisch bedenklich erscheint die Tatsache, dass 24 % der wahlfähigen WienerInnen aufgrund ihrer ausländischen Staatsangehörigkeit vom Wahlrecht ausgeschlossen sind – obwohl viele hier seit Jahren leben. Dieser Anteil und damit das Demokratiedefizit steigen stetig. Zuletzt wurden nicht einmal 7 von 1.000 in Wien lebenden ausländischen StaatsbürgerInnen eingebürgert.

Einkommensunterschiede: Zuwanderer am meisten betroffen
Die Einkommensunterschiede in der Bevölkerung haben sich in den letzten Jahren vergrößert. Während das Haushaltsjahreseinkommen (netto) in Haushalten ohne Migrationsbezug in den letzten zehn Jahren um 10 % gestiegen ist und bei 24.000 Euro liegt, gab es bei Haushalten aus Drittstaaten keine Veränderung, es liegt weiterhin im Durchschnitt bei 15.000 Euro.

Leistbares Wohnen als großes Problem für Neuzuwanderer
Langansässige WienerInnen aus Drittstaaten und ihre Nachkommen finden vermehrt Zugang zu Gemeindewohnungen mit hoher rechtlicher Sicherheit. Ein anderer Teil der insbesondere neu zugewanderten Bevölkerung ist weiterhin stark auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen. Wer neu zuwandert hat durchschnittlich halb so viel Wohnraum pro Kopf zur Verfügung (26m2 ) und zahlt um ein Drittel mehr pro m2 (7,80 Euro/m2).

Diversitätsmanagement der Stadt wurde seit 2008 deutlich besser
Weiters beschreibt der 3. Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor auch den Stand, wo die Stadt Wien bei der Umsetzung ihres integrationsorientierten Diversitätsansatzes steht. 73 % der bewerteten 42 Einrichtungen haben ihr Diversitätsmanagement verbessert.

Lösungsorientiert, transparent und professionell
Der 236 Seiten umfassende 3. Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor ein sachlicher, professioneller, lösungsorientierter und transparenter Zugang zu den Herausforderung der Inklusion von zugewanderten Menschen in Wien, der aus meiner Sicht große Anerkennung verdient. Zudem bietet er der Forschung spannendes, nutzbares Datenmaterial. Als Kommunikationswissenschaftlerin habe ich nur eine Anregung: Es fehlt ein Indikator, der die Atmosphäre (Toleranz, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung in Medien etc.) in der Gesellschaft beschreibt.

Diversität bedeutet für jedes Unternehmen in einer vielfältigen Gesellschaft, die Unterschiede konstruktiv zu nutzen. In diesem Punkt hat Österreich im Vergleich zu nordeuropäischen Staaten, Kanada, USA und Großbritannien einen großen Nachholbedarf.

Links:

Integrations- und Diversitätsmonitoring der Stadt Wien

Begriff: Diversität

Orel, M. (2013): Der positive Umgang mit (kultureller) Vielfalt in Österreich und Europa – Strategische Ansätze in Theorie und Praxis. In: ÖIF-Dossier n 28, Wien.

Advertisements

Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Meine Dissertation

Studie: "Zuwanderung  - Herausforderung für Österreichs Medien", Holzhausen Verlag

Studie: "Zuwanderung - Herausforderung für Österreichs Medien", Holzhausen Verlag

Fragen zum Thema Integration?

Logo der Medien-Servicestelle

Nützliche Links für Journalisten

Nützliche Links für Journalisten

Archive

%d Bloggern gefällt das: