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Antiziganismus auch in den österreichischen Medien?

Eine zusammengekauerte Bettlerin in Fetzen gekleidet auf einem Gehsteig mit einem Baby im Arm, eine Großfamilie vor einem alten Wohnwagen oder verwahrloste Kinder, elternlos, inmitten von Mülbergen – so in etwa sehen Bilder aus, wenn über Roma und Sinti berichtet wird. In den Beiträgen geht es oft um Kriminalität, um die so genannte „Armutszuwanderung“, Integrationsprobleme, Arbeitslosigkeit. „Vorurteile und Klischees werden in den Medien bedient und verstärkt“, betont der deutsche Politologe Markus End in seiner Studie „Antiziganismus in der deutschen Öffentlichkeit. Strategien und Mechanismen medialer Kommunikation„, die er im Auftrag des Dokumentations- und Kulturzentrum deutscher Sinti und Roma verfasst hat. Antiziganismus sei in der Berichterstattung zur Armutszuwanderung an der Tagesordnung, heißt es in der Studie. Das Wort „Roma“ werde meist für „Armutsmigration“ synonym verwendet.

Wissenschaftliche Befunde zum Bild der Roma und Sinti in den österreichischen Medien gibt es nicht. Nichtsdestotrotz muss sich Österreich mit dem Thema seit 2011 intensiv auseinandersetzen. Der EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2020 gibt vor, dass der Europäischen Kommission Strategien für die soziale Integration der Roma vorzulegen sind. Jedes Mitgliedsland musste eine Kontaktstelle für die Strategie-Entwicklung einrichten. Unter dem Titel „Dialogplattform zur Integration der Roma bis 2020“ organisiert die österreichische „Kontaktstelle für die Roma-Strategie“ im Bundeskanzleramt so genannte Dialogplattformen zu jeweils unterschiedlichen inhaltichen Schwerpunkten (z.B. Bildung, Wohnen, Medien etc.).

Zu diesen Veranstaltungen werden sowohl Vertreterinnen und Vertreter staatlicher Stellen, als auch jene der zivilgesellschaftlichen Vereine, als auch ExpertInnen aus Wissenschaft und Forschung eingeladen. Das Bild der Roma und Sinti in den Medien wird von allen Mitwirkenden bei diesen Treffen immer wieder als „falsch“, „vorurteilsbehaftet“  und „quotengetrieben“ aufs Schärfste kritisiert. Es fehlt offensichtlich an Wissen bei den Medienschaffenden über diese Volksgruppen, an der Sensibilität bei der Auswahl von Bildern sowie an interkultureller Kompetenz im  österreichischen Journalismus. In Deutschland gibt es für den angemessenen Umgang mit kultureller Vielfalt in der JournalistInnen-Aus- und Weiterbildung spezielle Curricula, sowie Leitfäden für JournalistInnen, die bei der täglichen Arbeit in den Redaktionen unterstützen sollen.

Ein Beispiel: Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch. Handreichungen für Journalist_innen (pdf), Christoph Schulz, Universität Dortmund: „Aspekte des Antiziganismus in der Medienberichterstattung“, S. 39-47.

Links:

Begriff: Antiziganismus

EU-Rahmen für nationale Strategien

Österreichische Roma-Strategie

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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