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Öffentlichkeit, Inklusion, Integration, Medien, Medieninhalte, Medienproduktion, Mehrheitsmedien, Wissenschaft

Integration durch Konflikte

zeitungenViele Integrationstheorien gehen davon aus, dass sich moderne Gesellschaften ausschließlich über gemeinsame Werte und Normen „integrieren“ ließen. Ganz im Gegensatz dazu stehen die KonfliktheoretikerInnen, wie Georg Simmel, Ralph Dahrendorf, Lewis Coser, Nancy Fraser, Richard Sennett und Helmut Dubiel. Sie gehen einen Schritt weiter. Für sie führt die Frage nach dem „guten Leben“ und der „gerechten Ordnung“ automatisch immer zu Konflikten. Der Konflikt sei das zentrale Moment der Integration in pluralen Gesellschaften.

Angesichts der dramatischen Pluralisierung, Segmentierung und Säkularisierung moderner Gesellschaften sei die Annahme, dass sie sich über einen auch immer gearteten Konsens integrieren ließen, mehr als naiv; vielmehr beruhten moderne Gesellschaften auf einem „öffentlich inszenierten Konsens“ (Dubiel 1997, 427, zitiert nach Heitmeyer/Imbusch 2005, 53)

Im Konfliktfall seien die Menschen zu gründlicher Kommunikation, zur Artikulation ihrer Interessen und zur Argumentation gezwungen, um ihre Differenzen auszuhandeln. In heutigen Demokratien spielen die Massenmedien im Prozess des Austragens von Konflikten die entscheidende Rolle. Sie sind die Arenen der öffentlichen Diskurse, Austauschkanäle, eine Art „Infrastruktur der Demokratie“ und tragen damit eine immense Verantwortung.

Sie sind es, die tagtäglich Bilder in den Köpfen der Menschen erzeugen und ihnen Wirklichkeitsentwürfe anbieten. Sie können Hass und Feindseligkeit zwischen Gruppen schüren und die soziale Atmosphäre aufheizen anstatt durch differenzierte Berichte und Analysen zu einem öffentlichen Aushandeln von Konflikten beitragen. Es geht in Medien um Fairness. Ein Konflikt sollte in Massenmedien immer von mehreren Perspektiven betrachtet werden. Beide Konfliktparteien sollten zu Wort kommen, um ihre jeweilige Position auszuführen.

Es sei falsch, zu behaupten, dass Konflikte Demokratien gefährdeten, sagen die KonflikttheoretikerInnen. Vielmehr sei es die Aufgabe der Demokratien – und im Besonderen des Mediensystems –  den Rahmen für das Aushandeln von Interessen zu schaffen.

 […] Demokratische Gesellschaften erhalten sich eben nicht dadurch, dass konfligierende Gruppen ihre partikularen Interessen und Meinungen einem imaginären Konsensus aufopfern. Vielmehr entsteht das sie integrierende normative Kapital gerade durch die Kette von Konflikten. (Dubiel 1997, 138)

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, Qualitätsjournalismus in Österreich zu fördern und eine funktionierende Selbstregulierung des Mediensystems (Presserat) zu stärken. Dessen Aufgabe ist es, das Einhalten des Ehrenkodex der JournalistInnen zu überwachen.

Es bleibt zu hoffen, dass irgendwann einmal alle österreichischen Medien Mitglied des Presserates werden (derzeit sind „Heute“, „Österreich“, „Kronen Zeitung“ nicht dabei!) und seine Entscheidungen anerkennen. Eine funktionierende Selbstregulierung der Medien gilt als Grundvoraussetzung für eine faire Berichterstattung und ist somit ein zentraler Aspekt der Demokratie und ein wichtiger Beitrag für den sozialen Zusammenhalt.

Literatur:

Heitmeyer, Wilhelm/Imbusch, Peter (Hg.) (2005): Integrationspotenziale einer modernen Gesellschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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