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Inklusion, Integration, Wissenschaft

Emotionale Intelligenz – Erfolgsfaktor für das Zusammenleben

JSmithPhotoWenn es um das Zusammenleben geht, wird immer wieder von der „emotionalen Intelligenz“ gesprochen. Doch was ist das genau? Es gibt zwei Formen von Intelligenz. Einerseits gibt es den sehr bekannten Intelligenzquotient(IQ). Dieser Wert bezeichnet die Summe aller geistigen Fähigkeiten eines Menschen und wurde vom französischen Psychologen Alfred Binet und dem Arzt Theodore Simon Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt (Binet-Simon-Test). Doch zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass der Erfolg eines Menschen nur zu 20 Prozent vom IQ, von den geistigen Fähigkeiten, abhängt.

Es musste also – jenseits der Logik und der Fähigkeit zur Abstraktion – noch eine andere Form von Intelligenz geben. Amerikanische Wissenschaftler aus Yale haben diese als „emotionale Intelligenz“ beschrieben. Sie sei weitgehend unabhängig vom IQ und beschreibe schlicht und einfach den Umgang mit den eigenen Emotionen. Der  „emotionale Quotienten“ (EQ) umfasst vier Faktoren:

  1. Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu beschreiben und jene der anderen zu erkennen.
  2. Die Fähigkeit, den Ablauf von Gefühlszuständen zu verstehen
  3. Die Fähigkeit, über die eigenen Gefühle (Selbstreflexion) und jene anderer Menschen nachzudenken und dann die Situation zu beurteilen
  4. Die Fähigkeit mit den eigenen Gefühlen und denen der anderen richtig umzugehen

Diese Faktoren sind die Basis für den gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg. Faktum ist, dass Menschen mit hohem IQ oftmals einen erbärmlich niedrigen EQ besitzen und für die eigenen Gefühle und die Gefühle anderer völlig taub sind. Eine Studie mit Kindern eines Vororts von Bosten zeigte, dass der EQ den beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg deutlich besser voraussagte als der IQ.

In unserem Ausbildungssystem hat die emotionale Intelligenz ganz und gar nicht den Stellenwert, der ihr aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse zustehen sollte. Gefördert wird fast ausschließlich der IQ! Offenbar ist es aus Sicht der Lehrplan-AutorInnen wesentlich wichtiger, sich praxisfernes Detailwissen (z.B. wie die chemischen Formeln bei der Erzeugung von Aluminium,  die lateinische Bezeichnung aller Körperteile, Jahreszahl von Schlachten, etc) anzueignen, als die Grundzüge des menschlichen Zusammenlebens  und gewaltfreier Kommunikation zu verstehen und umzusetzen.

Für eine friedliche Gesellschaft ist es aus meiner Sicht entscheidend, dass Menschen bereits in jungen Jahren lernen, die eigenen Gefühle zu erkennen, darüber zu reden, die Gefühle anderer wahrzunehmen und entsprechend einfühlsam zu handeln. Genauso wichtig ist es, Dynamiken in Gruppen zu analysieren, Verhalten anderer richtig zu interpretieren und Kritik so zu äußern, dass sie andere nicht kränkt. Ein Mehr an emotionaler Intelligenz ermöglicht auch die ganzheitliche und raschere Inklusion von Zuwanderern. Das Zusammenleben von MigrantInnen mit ansässigen MitbewohnerInnen wird durch mehr EQ wesentlich befördert.

Ein Mehr an emotionaler Intelligenz wirkt sich auch positiv auf die gesamte Wirtschaft aus. Ich behaupte: Emotional intelligente Gesellschaft sind toleranter, solidarischer, leistungsfähiger, gesünder und vor allem glücklicher als Gesellschaften, in denen alles versucht wir, um ausschließlich den IQ zu optimieren.

Literaturtipp: Servan-Schreiber David (2006): Die neue Medizin der Emotionen. München: Goldmann, 22. Auflage.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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