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Diskriminierung, Diversität, Forschung, Medien, Wissenschaft

Sprache verändert (sich)

Diversität, Symbolbild, Bild: faungg, flickr.com

Diversität, Symbolbild, Bild: faungg, flickr.com

Keine Neger(lein) und  Zigeuner mehr in Kinderbüchern: Der Stuttgarter Thienemann Verlag folgt dem Beispiel der Neuausgabe von  Astrids Lindgrens Pippi Langstrumpf und streicht diskriminierende Begriffe (wie Neger) aus seinen Kinderbüchern. Zur „taz“ sagte der  Verleger Klaus Willberg, dass es notwendig sei, Bücher an den sprachlichen und politischen Wandel anzupassen.

Gerade in Kinder- und Schulbüchern ist es aus meiner Sicht essentiell, dass sie frei von Begriffen und Bildern sind, durch die sich Menschengruppen abgewertet fühlen. Der korrekte Umgang mit Fremden wird ganz stark in der Kinderheit geprägt: durch die Eltern, die LehrerInnen, die Freundinnen und Freunde und die Unterhaltungsmedien.

Aus meiner Sicht haben öffentliche Stellen (die Verwaltung generell, insbesondere Ministerien, Kammern, Verbände, aber auch der ORF) aber auch Medien geradezu die Verpflichtung, alle Gruppen in der Gesellschaft angemessen anzusprechen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist eine Grundfeste der Demokratie. Ein wesentlicher Teil ist die Sprache. Sie kann Machtstrukturen verfestigen oder aufbrechen. Sie kann Stereotypen bedienen oder sie in Frage stellen. Die Implementierung einer diskriminierungsfreien Sprache ist natürlich immer mit Aufwand verbunden, aber in einer Gesellschaft, die sich so rasch verändert, ein Muss. Genauso wie sich das Leben der Menschen wandelt, so sollte sich auch die Sprache entwickeln (dürfen).

Haben wir vor einigen Jahren noch von „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ als politisch korrekte Bezeichnung gesprochen, ist heute von „behinderten Menschen“ die Rede. Die Argumente der Behindertenverbände sind nachvollziehbar: „Menschen mit einer Behinderung haben keine besonderen Bedürfnisse! Sie haben Bedürfnisse wie alle Menschen auch!“ Wurde früher der Begriff der „Integrationsklasse“ in Zusammenhang mit behinderten Menschen verwendet, so denken wir heute an Klassen mit einem hohen Anteil an Zuwandererkinder. Ein gutes Beispiel, wie kollektive Assoziationen und Bilder in den Köpfen mutieren. Die Alltagssprache kann sogar wissenschaftliche Termini abändern. An den Abwandlungen des Wortes „Multikulturalismus“ wird das deutlich. „Multikulti-Experiment, Multikulti-Wahnsinn etc.“ wurden und werden immer wieder von rechten Parteien verwendet. Das hat dazu geführt, dass auch in der Wissenschaft rasch ideologiefreie Begriffe gesucht worden sind (wie beispielsweise „interkulturell“, „interethnisch“ oder „vielfältig“).

Ein weiteres Beispiel ist der Begriff des „Asylanten“, ein Wort für AsylwerberInnen, das von bestimmten Boulevardblättern sehr häufig verwendet wird – nahezu immer in einem abwertenden Kontext. Es macht aus meiner Sicht auch einen Unterschied, ob wir in Österreich von anerkannten Flüchtlingen reden (vom Staat anerkannt, also geduldet) oder Menschen, die ein Recht auf Asyl haben: also Asylberechtigte sind. Auch der Begriff der Schwarzafrikaner ist seltsam. Wir sagen doch auch nicht Weißeuropäer oder Gelbasiaten.

Dass sich die Sprache an die Art und Weise des Umgangs miteinander anpasst, fällt mir immer auf, wenn ich mit meinen Großeltern rede. Sie mussten ihre Eltern mit „Sie“ ansprechen. Frau Mutter und Herr Vater statt Mama und Papa. Ja, Sprache verändert sich…

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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