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Diskriminierung, Diversität, Integration, Studie, Wissenschaft

Intoleranz, Vorurteile und Diskriminierungen in Europa

Cover der Studie "Die Abwertung der Anderen"

Cover der Studie „Die Abwertung der Anderen“

In der Studie „Die Abwertung der Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung“ haben Andreas Zick, Beate Küpper und Andreas Hövermann erstmals das Ausmaß an Vorurteilen und Diskriminierungen gegenüber unterschiedlichen Gruppen in der Gesellschaft in acht ausgewählten Ländern (Deutschland, England, Frankreich, Niederlanden, Italien, Portugal, Polen, Ungarn) untersucht. Auf Basis von Telefonumfragen wurden fremdenfeindliche, rassistische, antisemitische, islamfeindliche, sexistische und homophobe Einstellungen erhoben (Stichprobengröße: 1000 Personen ab 16 Jahren, repräsentativ für das jeweilige Land). Der standardisierte Fragebogen enthielt vorgetestete und für den interkulturellen Vergleich nutzbaren Fragen. Zur Erfassung eines Elements  der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie) wurden laut Angaben der AutorInnen jeweils mehrere Aussagen verwendet, zu denen die Befragten mittels einer 4-stufigen Skala ihre Zustimmung beziehungsweise Ablehnung angeben konnten.

Die Studie wurde im Rahmen des Projekts „Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus“ des Forum Berlin der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt und wurde von privaten Stiftungen gefördert (Compagnia di San Paolo, die Volkswagen-Stiftung, die Freudenberg Stiftung, die Groeben Stiftung und die Amadeu-Antonio-Stiftung).

Die zentralen Ergebnisse (PDF):

  • Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist in Europa weit verbreitet. Sie ist zudem keineswegs ein Phänomen von politischen Randgruppen, sondern findet sich auch in der Mitte der Gesellschaft. Auffallend einig sind sich die Europäer/innen in ihrer Ablehnung von Einwanderer/innen und Muslim/innen. Rund die Hälfte aller europäischen Befragten ist der Ansicht, es gebe zu viele Zuwanderer/innen in ihrem Land.
  • Etwa die Hälfte aller europäischen Befragten wünscht sich ein Arbeitplatzvorrecht für Einheimische in Krisenzeiten.
  • Rund die Hälfte verurteilt den Islam pauschal als eine Religion der Intoleranz.
  • Ein Gegengewicht zu diesen negativen Einstellungen bilden die knapp 70 Prozent aller Befragten, die in Zuwanderer/innen eine Bereicherung für die eigene Kultur sehen.
  • Zwischen 17 Prozent der Befragten in den Niederlanden und über 70 Prozent in Polen meinen, Juden/Jüdinnen versuchten heute Vorteile daraus zu ziehen, dass sie während der Nazi-Zeit die Opfer gewesen sind.
  • Rund ein Drittel der Befragten glaubt an eine natürliche Hierarchie zwischen Menschen verschiedener Ethnien.
  • Die Mehrheit in Europa vertritt zudem sexistische Einstellungen, die auf eine traditionelle Rollenverteilung setzen, und fordert, dass Frauen ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen sollten.
  • Gleiche Rechte werden homosexuellen Menschen von zwischen 17 Prozent der Befragten in den Niederlanden bis hin zu 88 Prozent der Befragten in Polen verweigert.
  • In allen Ländern haben die Befragten mehrheitlich das Gefühl, von Politiker/innen nicht gehört zu werden. Diejenigen, die sich politisch eher rechts positionieren, sich politisch machtlos fühlen, eine starke Führerfigur wünschen und die Todesstrafe befürworten, sind im Durchschnitt gruppenbezogen menschenfeindlicher.
  • Mit dem Autoritarismus – eine auf Recht und Ordnung sowie Disziplin setzende Grundhaltung; mit der Sozialen Dominanzorientierung – die Befürwortung von sozialen Hierarchien zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘; und mit der Ablehnung von Diversität – einer generell ablehnenden Haltung gegenüber Vielfalt von Kulturen, Ethnien und Religionen innerhalb eines Landes.

Buch:  Zick, Andreas/Küpper, Beate/Hövermann, Andreas (2011): Die Abwertung der Anderen: eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung. Berlin: Friedrich Ebert Stifung, 222 Seiten.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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Studie: "Zuwanderung  - Herausforderung für Österreichs Medien", Holzhausen Verlag

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