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Öffentlichkeit, Diskriminierung, Diversität, Forschung, Medien, Wissenschaft

Diskriminierungsschutz in den Pressekodizes (AUT, D)

Zeitungen c) NS Newsflash, flickr.com

Zeitungen c) NS Newsflash, flickr.com

Der Ehrenkodex der österreichischen Presse (pdf) beinhaltet Bestimmungen zum Schutz vor Diskriminierungen – unter dem Punkt 5. Persönlichkeitsschutz:

5.5. Jede Diskriminierung aus rassischen, religiösen, nationalen, sexuellen oder sonstigen Gründen ist unzulässig.*
5.6. Eine Herabwürdigung oder Verspottung von religiösen Lehren oder anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften, die geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist unzulässig.

*Oft passiert Diskriminierung unbewusst (also ohne spezielles Motiv eines Journalisten oder einer Journalistin), sondern aus Unwissen und/oder Zeitdruck.

Im Vergleich dazu sind die Formulierungen zum Schutz vor medialer Diskriminierung im Pressekodex in Deutschland etwas weitrechender:

Ziffer 9  –  Schutz der Ehre
Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.

Ziffer 10  –  Religion, Weltanschauung, Sitte
Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.

Ziffer 12  –  Diskriminierungen
Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.

Deutscher Pressekodex regelt Diskriminierungsschutz detaillierter
Bei einem Vergleich beider Kodizes wird klar, dass das Problem der Herabwürdigung von Menschengruppen durch Medienberichte wesentlich genauer im deutschen Pressekodex geregelt wird – durch eine zusätzliche Richtlinie zur Ziffer 12:

Richtlinie 12.1: Berichterstattung über Straftaten
In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber  Minderheiten schüren könnte.

Im deutschen Pressekodex wird auch davon gesprochen, dass eine unangemessene Darstellung, durch die sich Menschen in ihrer Ehre verletzt fühlen, der journalistischen Ethik widerspreche. Das subjektive Gefühl der Betroffenen, das „Sich-in-der-Ehre-verletzt-fühlen“, spielt demnach in der Urteilsfindung eine Rolle. Im Ehrenkodex der österreichischen Presse wird lediglich von dem Unterlassen jeglicher Diskriminierung aus unterschiedlichen Gründen gesprochen ohne Hinweis auf das Empfinden der Diskreditierten. Auch der Umgang mit der Nennung der  Herkunft bei Straftaten ist nicht geregelt.

Es ist evident, dass österreichische Medien unterschiedlich mit der Herkunft umgehen – meist zu Ungunsten von zugewanderten Menschen: So ist viel  häufiger von „Türke schlägt XY“, „Serbe ersticht XY“  die Rede als von „Kärnter schlägt XY“, „Wiener ersticht XY“. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Meine Empfehlung entspricht der Richtlinie 12.1 des deutschen Pressekodex : Die Nennung der ethnischen Herkunft bei Kriminalitätsdelikten möglichst vermeiden. Denn: der Geburtsort, das Geburtsland, die eigene Staatsbürgerschaft und jene der Eltern etc. haben meist nichts mit dem Tatmotiv zu tun. Zudem besteht die Gefahr der Stereotypisierung bei den RezipientInnen. Jene Menschen, die Zuwanderern und Zuwanderinnen eher skeptisch bzw. ablehnend gegenüberstehen, fühlen sich durch das Betonen der Herkunft in Medien in Zusammenhang mit Verbrechen in ihren Vorurteilen bestätigt.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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