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Öffentlichkeit, Diskriminierung, Diversität, Forschung, Journalismus, Medien, Medieninhalte, Medienpolitik, Medienproduktion, Wissenschaft

24 Prozent Frauenpräsenz in den Nachrichten weltweit

Brigitte M. Schulte vom deutschen JournalistInnenbund c) Karin Zauner

Brigitta M. Schulte vom deutschen JournalistInnenbund c) Karin Zauner

Frauen kommen deutlich weniger in Nachrichten vor und sind im Politik- und Wirtschaftsjournalismus eine klare Minderheit. Das sind zentrale Ergebnisse des Global Media Monitoring Projects 2010 (GMMP), an dem 130 Länder weltweit teilgenommen haben. Österreich war nicht dabei.

In Deutschland wurden bei der jüngsten Erhebung 2010 insgesamt 135 Zeitungsberichte, 117 Einzelnachrichten TV, 50 Radiomeldungen und 63 Onlinebeiträge analysiert. Der Stichtag der Untersuchung fiel 2010 auf jenen Tag, an dem Angela Merkel als neugewählte Bundeskanzlerin ihre Antrittsrede hielt, der 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls gefeiert und Erika Steinbach als Mitglied einer nationalen Erinnerungskommission diskutiert wurde. „Trotz dieser Ereignisse lag der Frauenanteil in den deutschen Nachrichten bei nur 21 Prozent“,  betonte Brigitta M. Schulte (JournalistInnenbund) in ihrem Vortrag: “Who makes the news? Aktuelle Ergebnisse der weltweiten Studie zur Präsenz von Frauen in den Nachrichten“ auf der Konferenz „Gender matters! Die Macht medialer Geschlechterbilder“ am 16. März in Berlin.  Weltweit liege dieser Anteil im Durchschnitt bei 24 Prozent.

1995

2000

2005

heute

Weltweit

17 %

18 %

21 %

24 %

Europa

16 %

21 %

26 %

Deutschland

15 %

22 %

21 %

Italien

19 %

Tabelle: Anteil der Frauen in den Nachrichten von länderspezifischen Leitmedien (Print, TV, Radio, Online) an einem Stichtag (Daten: GMMP 2010, 130 Staaten)

Geringer Frauenanteil in Berichten über Politik und Regierung

Am häufigsten kommen Frauen bei den Themen Gesundheit und Wissenschaft (44 %) und Soziales und Recht (43%)  vor, am wenigsten bei den Themen Politik und Regierung (30 %). Bei näherer Betrachtung der Funktion von Frauen in den Nachrichten fällt auf, dass sie noch am häufigsten in jenen Beiträgen präsent sind, in denen es um die Meinung des Volkes (44 %) und um die Darstellung der persönlichen Erfahrung geht (39 %).  Nur 24 Prozent der Hauptpersonen in Nachrichten sind Frauen, Sprecherinnen einer Institution machen bloß 18 Prozent dieser Gruppe aus und Expertinnen, die namentlich angeführt werden, gibt es nicht mehr als 12 Prozent. Besonders intensiv werden Geschlechterstereotype in den Nachrichten im Mittleren Osten (81%), in Afrika (77 %) und in Nordamerika (61%) bedient, am wenigsten in den pazifischen Staaten (10%) und in  Lateinamerika (46%). Europa (46%) liegt in dieser Auswertung im Mittelfeld.

Journalismus weltweit: Macht-Ressorts in Männerhand

Wird das Geschlecht der BerichterstatterInnen betrachtet, dann fällt auf, dass bei den wenig einflussreichen Ressorts (Wissenschaft, Gesundheit, Soziales und Recht) der Frauenanteil bei insgesamt bei 50 Prozent liegt und in „Ressorts der Macht“ (Politik und Wirtschaft) nur noch 30 Prozent der Beiträge von Frauen stammen. Alles in allem sei eine Diskussion der derzeit herrschenden Nachrichtenfaktoren und über Qualität in den Medien dringend notwendig, resümiert Schulte. Medien seien aus ihrer Sicht nur dann echte Qualitätsmedien, wenn sie auf die Gleichbehandlung der Geschlechter achteten und Stereotype nicht bedienten.

In der anschließenden Diskussion wurde klar, dass ein Umdenken in der Personalpolitik in Medienunternehmen (Frauenanteil in Führungspositionen) notwendig sei und die Redaktionsroutinen in der Nachrichtenproduktion (Auswahl der ExpertInnen, Frauenanteil in den Nachrichtenagenturen etc.) neu gestaltet werden müssten. Neue Medien (Soziale Medien, Blogs) bieten Frauen Chancen, ihre Perspektiven verschiedenen Öffentlichkeiten näher zu bringen.

Das Forschungsprojekt

Das Global Media Monitoring Project ist die weltweit größte Langzeitstudie über die Repräsentation von Frauen in Nachrichtenmedien.  An einem bestimmten Stichtag wird in 130 Ländern die Darstellung von Frauen in den Nachrichten der Leitmedien (Fernsehen, Print, Radio und Online) erhoben. Welche Medien unter „Leitmedien“ fallen, legen die teilnehmenden Länder in ihrer Eigenverantwortung fest. Bis heute wurden vier Studien (1995, 2000, 2005 und 2010) durchgeführt . Analysiert werden:

  • Nachrichtensubjekte: hinsichtlich ihres Geschlechts Status und Berufes, ihrer Funktion in den Nachrichten (Experte/Expertin, Zeuge/Zeugin, Opfer etc.), ihrer Definition im Text  (Tochter/Sohn von…)
  • Namentlich erwähnte Personen in den Beiträgen
  • Autoren und Autorinnen der Beiträge (JournalistInnen, ReporterInnen)

Die untersuchten Nachrichten werden folgenden Themenbereichen zugeordnet

  1. Politik und Regierung
  2. Wissenschaft und Gesundheit
  3. Soziales und Rechtliches
  4. Verbrechen und Gewalt
  5. Celebrity, Kunst, Medien und Sport
  6. Mädchen
  7. Sonstiges
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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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