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Diskriminierung, Forschung, Studie, Wissenschaft

Geringes Vertrauen in PolitikerInnen beeinflusst Fremdenfeindlichkeit

Österreichisches ParlamentMit wissenschaftlicher Genauigkeit und in eindeutiger Schärfe zeigt eine Langzeitstudie: Die ÖsterreicherInnen haben sehr wenig Vertrauen in die PolitikerInnen. Das ist eine der Hauptaussagen des „Demokratie- und Toleranzmonitoring“ der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS). Diese wissenschaftliche Arbeit dokumentiert Entwicklungen von Demokratie und politischer Partizipation in Österreich. Die jüngste Erhebung wurde im November und Dezember 2011 durchgeführt, in Form von 1173 Face-to-face-Interviews.

Die Ergebnisse:

  • 83 Prozent stimmen der Aussage sehr/eher zu, „PolitikerInnen und Politiker in Österreich haben keine Führungsqualität“
  • 88 Prozent sind sehr/eher der  Meinung, dass die PolitikerInnen in Österreich die Verbindung mit den BürgerInnen verloren hätten,
  • 90 Prozent stimmen sehr/eher der Aussage zu, dass PolitikerInnen viel versprechen würden und wenig oder nichts davon hielten.
  • Während PolitikerInnen denkbar schlecht abschneiden, genießen Gerichte und die Polizei am meisten Vertrauen. Auf einer Skala von 1 (kein Vertrauen) bis 7 (größtes Vertrauen) erreichen sie 4,7 Punkte
  • gefolgt von den Gewerkschaften (4,3),
  • dem Parlament (4,1)
  • und erst dann kommen politische Parteien (3,6).

Es ist empirisch evident, dass die politisch Unzufriedenen auf Dauer die Demokratie als Staatsform in Frage stellen und empfänglich für rechtspopulistische Einstellungen werden (Heitmeyer 2009, 101).  „Politische Anomie“ (Weiss 2004, 10) oder „Demokratieentleerung“ (Heitmeyer/Mansel 2003) haben somit direkt Auswirkungen auf das Zusammenleben.

„Die Mächtigen richten`s sich sowieso…
Der Vertrauensverlust in die Politik ist in Österreich ein wesentlicher Faktor (vgl. Friesl/Hofer/Wieser 2009, 262) für die außergewöhnlich hohe Fremdenfeindlichkeit. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass es sich die „Mächtigen im Land“ sowieso „richten“ und dass sie selber als „die Kleinen“ nicht viel zur Verbesserung ihrer Situation beitragen können, dann fördert das demokratiepolitisch bedenkliche Einstellungen.

Dabei geht es nicht um die materielle Situation der Menschen, sondern um die Frage der „subjektiv wahrgenommenen Gerechtigkeit“ (Heitmeyer 2009, 103). Verschärft wird die Situation durch die wirtschaftliche Krisen: Wenn Menschen denken, zu wenig zu bekommen, sich also benachteiligt fühlen, dann nimmt auch die Kritik an der Demokratie zu. Und es sind rechtspopulistische Parteien, die den Menschen die Sündenböcke für ihre Situation liefern.

Große Studien aus Deutschland  zeigen: Wer sich von der Politik subjektiv benachteiligt fühlt, der neigt zur Abwertung schwacher Gruppen in der Gesellschaft. Das Erniedrigen anderer hilft, den eigenen Status zu erhöhen. Die Zustimmung zu autoritären (rechtspopulistischen) Aussagen dient dazu, die Zugehörigkeit zu der „stärkeren Gruppe“ zum Ausdruck zu bringen. „Schließlich legitimiert der Eindruck, benachteiligt zu werden, die Abwertung und Diskriminierung anderer“ (Heitmeyer 2009, 98).

Weitere Infos:
Der Standard.at („Volk und Politiker in der Beziehungskrise“)

Literatur:

Friesl, Christian/Hofer, Thomas/Wieser Renate (2009): Die Österreicher/-innen und die Politik. In: Friesl, Christian/Polak, Regina/Hamachers-Zuba, Ursula (Hg.): Die Österreicherinnen. Wertewandel 1990-2008. Wien: Czernin Verlag, 207-288.

Heitmeyer, Wilhelm/Mansel, Jürgen (2003): „Entleerung der Demokratie. Die unübersichtlichen Folgen sind weitreichend“. In: Heitmeyer, Wilhelm (Hg.): Deutsche Zustände. Folge 2. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 35-60.

Heitmeyer, Wilhelm (Hg.) (2009): Deutsche Zustände. Folge 7. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Weiss, Hilde (2004): Nation und Toleranz? Empirische Studien zu nationalen Identitäten in Österreich. Mit einem Beitrag von Christoph Reinprecht. Wien: Braumüller.

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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