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Diskriminierung, Journalismus, Journalistenausbildung, Wissenschaft

Integration: Sichtweisen klaffen auseinander

Diversität, Symbolbild, c) Vektorportal, flickr.com

Pessimismus bei den ÖsterreicherInnen, Optimismus bei den zugewanderten Menschen.

Wie sieht das Integrationsklima in Österreich aus? Wie zufrieden sind die Einheimischen und zugewanderten Menschen mit dem Zusammenleben in Österreich? Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans für Integration wurden Integrationsindikatoren festgelegt, um die unterschiedlichen Dimension des Integrationsprozess in Österreich messbar zu machen. Ein Indikator befasst sich mit der Beurteilung des Integrationsprozesses. Dabei wurden von GfK im Frühjahr 2011 die Einschätzungen von 948 österreichischen und 1.100 ausländischen StaatsbürgerInnen erfasst (Serbien und Montenegro: 301, Bosnien und Herzegowina: 314, Kroatien: 127 und der Türkei: 358, 5 Pesonen haben keine Angabe gemacht).

Zwei Drittel der ÖsterreicherInnen mit Integration unzufrieden
Nur 3,4 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher empfinden die Integration als „sehr gut“ funktionierend, umgekehrt sagen 13,1%, dass diese „sehr schlecht“ funktioniere. Rechnet man dazu die 51,5%, die ein „eher schlecht“ bekundet haben, sind knapp zwei Drittel mit dem Integrationsprozess unzufrieden. Obwohl dieses Ergebnis ein wenig besser sei als jenes im Jahr 2010, sei es „ernüchternd“, so die Autoren und Autorinnen des Statistischen Jahrbuchs 2011(pdf).

ImmigrantInnen beurteilen das Zusammenleben positiv
Auf die Frage: „Fühlen Sie sich in Österreich heimisch bzw. zuhause?“ sagt die überwiegende Mehrheit der Personen mit einem türkischen oder ex-jugoslawischen Migrationshintergrund (86,5%), dass sie sich völlig oder eher heimisch in Österreich fühlen. Nur 7% der Befragten fühlen sich weniger und 6,5% überhaupt nicht heimisch. Es zeigt sich dabei ein ähnliches Bild wie in vielen internationalen Studien: Wer viel verdient, eine höhere Schulbildung absolviert hat und auf dem Arbeitsmarkt besser platziert ist, der fühlt sich signifikant stärker im Aufnahmeland heimisch als andere. (vgl. ebd., 88)

Negativer, problemzentrierter Diskurs in den Mehrheitsmedien als mögliche Ursache für Wahrnehmungsunterschiede
Aus Sicht der Autoren und Autorinnen des Statistischen Jahrbuches „migration & integration. zahlen, daten, fakten“ habe die Befragung im Rahmen des Intgrationsmonitors keine Gründe für den vorherrschenden Integrationspessimismus bei den ÖsterreicherInnen ans Tageslicht gebracht. „Sind es reale Konflikte im Wohnbereich oder bei der Arbeit? Sind es Abweichungen von Lebensstil, Kleidung und Verhalten, welche das Gefühl hervorrufen, Integrationsprozesse fänden nicht oder zu wenig statt? Oder äußert sich darin eine Unzufriedenheit mit dem politischen Diskurs über Integrationsprozesse, der sehr oft widersprüchlich, emotional und unsachlich abläuft?“ fragen sich die WissenschafterInnen.

Nichts Greifbares, nichts Augenscheinliches. Dieses Ergebnis erinnert an Studien zur Fremdenfeindlichkeit in Österreich (zuletzt die Europäische Wertstudie 2011: unter 45 europäischen Staaten war die Antipathie gegen  ImmigrantInnen in Österreich am höchsten). Auch die hohe Fremdenfeindlichkeit in Österreich lasse sich nicht durch objektiv nachvollziehbare ökonomische Gründe erklären – sondern durch subjektive, sagen die Experten und Expertinnen. Ein Cocktail aus Demokratieverdrossenheit, einer gewissen Überforderung mit der modernen, sich rasch ausdifferenzierenden Welt, aus der Angst vor Veränderungen, dem Bewahren der eigenen Traditionen und stark ausgeprägtem Autoritarismus. Und all das gepaart mit einem Negativdiskurs über Zuwanderung in reichweitenstarken Medien.

So sagen 93 Prozent der EntscheidungsträgerInnen in den österreichischen Medien, dass ImmigrantInnen in den österreichischen Medien meist in Zusammenhang mit „Problemen und Konflikten“ gezeigt werden. Das sei eben die „Logik der Medien“. Stereotype Berichte („die bösen AusländerInnen“) und Polarisierung erhöhten die Auflage.

Zweifellos ist die Nachricht die Abweichung vom Gewöhnlichen. Wenn es um fremde Kulturen geht, verwenden manche Medien gezielt Bilder und Musik, die das „Exotische“ unterstreichen, Klischees bedienen. So gibt es kaum einen Bericht über die türkische Community ohne Kebap, Moschee oder Kopftuch, kaum eine Fernseh- oder Radio-Reportage über Griechen und Griechinnen in Österreich ohne Sirtaki-Musik etc. Die Gruppen werden homogener und traditioneller dargestellt, als sie es in Wirklichkeit sind.

Die Massenmedien sind daher gefordert, auf die Text-Bild-Scheren zu achten. JournalistInnen müssen sich bei der Bildauswahl immer auch überlegen: Welche Gefühle werden durch dieses Bild beim Empfänger/bei der Empfängerin ausgelöst? Welche könnten ausgelöst werden? Billiger ist es für ein Medium allemal zum zehnten Mal das Foto der Kopftuchfrauen am Markt aus dem Archiv zu zeigen, wenn es um den Islam geht. Besser ist es jedoch, Motive zu verwenden, die mit Klischees brechen.

Medien, die von sich behaupten, die Demokratie zu unterstützen, brauchen letztendlich eine diversitätsorientierte Bildsprache und müssen dafür auch dementsprechende Ressourcen schaffen: Zeit und Diversitätskompetenz durch Weiterbildung. Letzteres finden Interessierte beim Kuratorium für Journalistenausbildung und beim Forum Journalismus und Medien Wien (fjum).

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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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