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Forschung, Integration

Mediale Integration von ImmigrantInnen in Österreich

Artikel in der Tageszeitung "Heute"

Artikel in der Tageszeitung "Heute"

Seit wenigen Jahren sind im Bereich der medialen interkulturellen Integration in Österreich vermehrt Bemühungen sichbar: auf der Seite der ImmigrantInnen und auch auf der Seite der Mehrheitsgesellschaft.

1. Institutionen auf der Seite der ImmigrantInnen

  • M-Media – Diversity Mediawatch Austria
    Auf der Seite der MigrantInnen setzt sich der Verein M-Media (seit 2010: M-Media – Diversity Mediawatch Austria) von Simon Inou seit 2005 für die mediale Integration von ZuwanderInnen in Österreich ein. Er will mit österreichischen Mainstream-Medien zusammenarbeiten, um die Qualität der Berichterstattung über ImmigrantInnen zu verbessern.
  • dasbiber
    dasbiber ist ein Pionierprojekt in der österreichischen Medienlandschaft, ein transkulturelles Magazin, das sich speziell an die zweite und dritte Generation von ImmigrantInnen in Wien richtet. dasbiber ist seit 2006 auf dem Markt und zunächst sechs Mal im Jahr mit einer Auflage von 50.000 erschienen. Seit November 2009 erscheint es zehn Mal mit einer Auflagenzahl von 75.000. Herausgeber ist der ehemalige Kurier-Mitarbeiter Simon Kravagna.
  • Ethnische Medien
    Für den Zusammenhalt ethnischer Gruppen sind Informationen von der Community für die Community von großer Bedeutung. Da die österreichischen Massenmedien diese Informationen nicht anbieten (können), sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Österreich mehr als 30 so genannte ethnische Medien (Ethnomedien) von engagierten Personen aus den Communities gegründet worden. 45 Prozent der ethnischen Printmedien in Österreich erscheinen in zwei Sprachen (vgl. Zauner 2010, 17), in der Muttersprache und auf Deutsch. Dadurch können auch die gebürtigen ÖsterreicherInnen mehr über die „fremde Kultur“ und über das Leben der Communities erfahren.

2. Institutionen auf der Seite der Mehrheitsgesellschaft

  • Industriellenvereinigung
    Der Bereich Gesellschaftspolitik in der Österreichischen Industriellenvereinigung (IV) befasst sich seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema Migration und Intgration. Der Industriellenvereinigung geht es um eine „zukunftsweisende Migrations- und Integrationspolitik, die gesellschaftliche, wirtschaftspolitische und humanitäre Aspekte berücksichtigt“ (vgl. Österreichische Industriellenvereinigung 2010). Als Interessensvertreterin der Industrie setzt sie sich dafür ein, dass Österreich im internationalen Wettbewerb um Schlüsselarbeitskräfte bestehen kann. Die Gestaltung einer offenen, humanen Gesellschaft ist ihr dabei ein wichtiges Anliegen.
  • Wirtschaftskammer Wien
    In Wien, wo bereits ein Drittel aller UnternehmerInnen Migrationshintergrund haben (vgl. Enzenhofer et al. 2007, 4), hat die Wirtschaftskammer ein eigenes Referat für Diversity geschaffen. Dieses Referat befasst sich mit der Vielfalt der Wirtschaftstreibenden in Bezug auf ethnische Herkunft, Alter, Geschlecht und sexuelle Orientierung. Denn die Wiener Wirtschaft wolle als Interessensvertretung für alle Wirtschaftstreibenden wahrgenommen werden, heißt es auf ihrer Homepage (vgl. Wiener Wirtschaftskammer 2010).
  • Verein „Wirtschaft für Integration“
    Ende 2009 wird der Verein „Wirtschaft für Integration“ von Ali Rahimi, Wiener Unternehmer mit Geburtstort Teheran und Georg Kraft-Kinz, Generaldirektor- Stellvertreter der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, gegründet. Der Verein, in dessen Vorstand einflussreiche österreichische Konzerne vertreten sind, will auf das Potenzial von Zuwanderung und gesellschaftlicher Vielfalt hinweisen und den Integrationsprozess in Wien unterstützen.
  • Integrationsorientierte Diversitätspolitik der Stadt Wien
    Die Stadt Wien verfolgt seit einigen Jahren eine integrationsorientierte Diversitätspolitik (vgl. Magistratsabteilung 17 – Integration und Diversität 2010, 6). Im Bereich der Kommunikation legt die Stadt Wien Wert auf die Abbildung gesellschaftlicher Vielfalt in allen Stadt-Wien-Medien.
  • Bürgerinitative „Machen wir uns stark“
    Für einen radikalen Kurswechsel in der Fremdenpolitik, eine mutige Bildungspolitik und ein gutes Zusammenleben setzt sich die Bürgerinitiative „Machen wir uns stark“ ein. Sie wurde von der Plattform SOS Mitmensch, vom Verein M-Media – Diversity Watch Austria und dem Integrationshaus ins Leben gerufen und von zahlreichen Kooperationspartnern und  prominenten Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft, Sport und Wissenschaft unterstützt. Diese Initiative setzt sich vor allem für Toleranz und die Akzeptanz einer multikulturellen Gesellschaft ein.
  • Österreichs Mainstream-Medien
    Der Migrationsdiskurs wird in Österreich intensiv von den Medien getragen, während die PolitikerInnen eher zurückhaltend agieren (vgl. Media Affairs 2010). Folgende Initiativen sind im Besonderen hervor zu heben:

    • Serien in Printmedien über positive Aspekte der Zuwanderung
      In Tageszeitungen entstehen Artikelserien wie „Welcome in Vienna“ (Heute, seit 2007), „Erfolgreich integriert“ (Kurier, September 2010), „Fremde Heimat“ (Kleine Zeitung, Oktober 2010) und Themenschwerpunkte in Magazinen wie „Wirtschaft für Integration“ (Format 12/09, 8-10), „Willkommen in Österreich“ (Format 47/2007, 18-22). Der Grundtenor dieser Berichte ist äußerst positiv. Oft werden Menschen aus dem Ausland portraitiert, die in Österreich Karriere gemacht haben und als lebende Beispiele für gelungene Integration gelten.
    • Bemühungen des ORF für ein Mehr an „Vielfalt“ und „Integration“
      Der Österreichische Rundfunk hat durch das ORF-Gesetz § 4 einen öffentlich-rechtlichen Kernauftrag, der äußerst umfassend beschrieben wird. Wie der ORF diesem Auftrag nachkommt, wurde im Rahmen eines Public-Value-Prozesses sichtbar gemacht und jährlich in einem Public-Value-Bericht veröffentlicht (vgl. ORF 2010). In Bezug auf den Wert „Vielfalt“ heißt es im ORF-Gesetz § 4 (2) und § 10 (6): Das Angebot hat sich an der Vielfalt der Interessen aller Hörer und Seher zu orientieren und sie ausgewogen zu berücksichtigen. Die Vielfalt der im öffentlichen Leben vertretenen Meinungen ist angemessen zu berücksichtigen, die Menschenwürde, Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre des Einzelnen sind zu achten. (ORF Public Value Kompetenzzentrum 2010)
    • Förderung von JournalistInnen mit Migrationshintergrund (Die Presse, DaStandard)
      In der Qualitätszeitung Die Presse wird jede Woche eine Seite von ImmigrantInnen gestaltet – unter Anleitung erfahrener Presse-Journalisten. Die Qualitätszeitung Der Standard hat im Februar 2010 einen eigenen Online-Auftritt ins Leben gerufen: DaStandard, in dem ausschließlich junge RedakteurInnen mit Migrationshintergrund schreiben. DaStandard.at hat 2011 den CIVIS Medienpreis für Integration in der Kategorie Online gewonnen (vgl. CIVIS – Medienstiftung für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa 2011).
    • Mediale Diskussionen und Podiumsdiskussionen über die Darstellung von Minderheiten in den Medien
      Über das Bild der ZuwanderInnen in den österreichischen Medien, über eine Veränderung der Medienlandschaft in Richtung Diversität wird in den vergangenen Jahren immer wieder auch in Qualitätsmedien (vgl. Hamann 2008) diskutiert, sowie auf Podiumsdiskussionen, zu denen VertreterInnen von Medien, Communities und KommunikationswissenschafterInnen eingeladen werden.
  • Forschung zum Thema mediale Integration von ImmigrantInnen
    Am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien werden seit einigen Jahren spezielle Forschungsseminare zum Themenbereich „Migration und Medien“ angeboten. Im internationalen Bereich vernetzt sich die Universität Wien 2010 im Bereich der Erforschung von ethnischen Medien im europäischen Forschungsnetzwerk „The Media of Diaspora Research Group (MDRG)“ (University of Lincoln 2010). Zudem ist es Mitglied der Forschungsplattform „Migration and Integration Research“ unter der Leitung von Prof. Heinz Fassmann, die zum Ziel hat, den interdisziplinären Austausch in der Migrationsforschung an der Universität Wien zu fördern.  

Literatur

CIVIS – Medienstiftung für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa (2011): CIVIS-PreisträgerInnen 2011. URL: http://www.civismedia.eu/index.php?id=81, Zugriff: 11.11.2011.

Enzenhofer, Edith/Kessler, Irene/Lechner, Ferdinand/Riesenfelder, Andreas/Reiter, Walter/Wetzel, Petra (2007): Ethnische Ökonomien – Bestand und Chancen. L&R Sozialforschung. Wien: Endbericht.

Magistratsabteilung 17 – Integration und Diversität (2010): Monitoring. Integration. Diversität. Wien.  Integrations- und Diversitätsmonitor der Stadt Wien 2009. Langfassung: URL: http://www.wien.gv.at/integration/pdf/monitoring-integration.pdf, Zugriff: 11.11.2011.

Media Affairs (2010): Österreichs Migranten in Österreichs Printmedien. November 2010. Studie im Auftrag von Peter Hajek und der Werbeagentur Noa GmbH. Unveröffentlichter Bericht.

Hamann, Sibylle (2008): Wenn die Tschuschenpower fehlt. In: Falter 50/08, 23-24.

Österreichische Industriellenvereinigung (2010): Migration und Integration. URL: http://www.iv-net.at/bm119, Zugriff: 11.11.2011.

ORF (2010): Wert über Gebühr. Public Value Bericht 2009/2010. Wien. URL: http://kundendienst.orf.at/unternehmen/news/public_value2010.pdf, Zugriff: 11.11.2011.

ORF Public Value Kompetenzzentrum (2010): Public Value. Vielfalt. In: zukunft.orf.at, URL: http://zukunft.orf.at/show_content.php?sid=82, Zugriff: 11.11.2011.

University of Lincoln (2010): The Media of Diaspora Research Group (MDRG). URL: http://mediaofdiaspora.blogs.lincoln.ac.uk/about/, Zugriff: 11.11.2011.

Wiener Wirtschaftskammer (2010): Mediale Integration von UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund. URL: http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?AngID=1&StID=540659&DstID=8730&cbtyp=1&titel=2., Staffel,der,Sende-reihe,%E2%80%9EbUnternehmen%E2%80%9C, Zugriff: 11.11.2011.

Zauner, Karin (2010b): Ethnic print media and journalism in Austria. Vortrag auf der Konferenz: An alternative representation? University Poitiers, 18 bis 19. März 2010; Conference Paper, unveröffentlicht.


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Über Karin Zauner

Freie Journalistin, Kommunikationswissenschafterin

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